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Marc trifft die bunten Kugeln ins Ziel


Menschen im Landkreis:
Ein Freiämter zählt bei der Jugend zur europäischen Billard-Spitze

Badische Zeitung 09.10.02, Dieter Erggelet

 

FREIAMT. Der 18-jährige Marc Giesin aus Freiamt-Mußbach gehört zu den besten Billard-Spielern der Jugendklasse in Europa. Bei den Europameisterschaften der Jugend mit 120 Teilnehmern aus 23 Nationen in Willingen (Sauerland) belegte er ausgezeichnete Plätze. Als Einzelspieler wurde Giesin Fünfter, im Team mit Steffen Schmidt und Stefan Glaser vom Pool-Billard-Club Herbolzheim erreichten die jungen Männer mit "Bronze" einen Platz auf dem Siegertreppchen.

Dabei ist diese Sportart mit besonders vielen Vorurteilen behaftet. Meist stehen Billardtische laut Image in verräucherten, schummrigen Hinterzimmern von Kneipen oder in Spielsalons zwischen "einarmigen Banditen".

Eine Vorliebe für Bälle aller Art hatte der Junge seit seiner frühen Kindheit, berichtet sein Vater stolz. "Stimmt, ich spiele gerne Freizeit-Fußball und Volleyball. Tischtennis ist meine zweite Leidenschaft. Für die Tischtennis-Mannschaft des FC Kollnau bestreite ich Punktspiele", ergänzt Marc Giesin. Mathematik und Physik sind die Lieblingsfächer des Schülers am Emmendinger Wirtschaftsgymnasium. Auch während eines Turniers ist logisches Denken eine Grundvoraussetzung, damit die Wegfolge der farbigen Kugeln richtig eingeschätzt wird. Um in einer solchen Spielklasse mitzuhalten (der PBC Herbolzheim spielt in der 2. Bundesliga) ist regelmäßiges Training erforderlich. Vor den Europameisterschaften waren wöchentlich sogar vier Trainingseinheiten angesagt. Trainingszentrum für den PBC Herbolzheim ist das dortige Galerie-Bistro. "Mein Hauptsponsor ist mein Vater; der hatte während dieser Zeit besonders viel zu tun, um mich nach Herbolzheim zu fahren. Ich besitze leider noch keinen Führerschein", erklärt Marc Giesin. "Dafür hat der Familienchef inzwischen begonnen, mir nachzueifern. Er stellt sich schon ganz geschickt an", lobt der Junior. Im Gegensatz zu anderen Sportarten dauert eine solche Trainingseinheit etwa vier his fünf Stunden. Dabei wird keinesfalls eine ruhige Kugel geschoben. Immer wieder werden neue Spielzüge ausprobiert.

Bei Turnieren sind die Akteure manchmal zwölf Stunden und noch länger auf den Beinen. "Ich bin nach einem Turnier total erledigt", sagt Marc Giesin. Bei einer kleinen Lektion über den Billardsport erläutert er, dass es sich dabei um drei verschiedene Disziplinen handelt. In 9-Ball, 8-Ball und 14/1 Endlos wird jeweils um Meisterehren gespielt. Während der Turniere herrscht eine strenge Kleiderordnung. Schwarze Schuhe, eine schwarze Stoffhose (Jeans sind verboten) und ein weil3es Hemd oder das Vereinstrikot tragen die Spieler während der Wettkämpfe. Ein striktes Rauchverbot am Wettkampfort ist selbstverständlich.

Der Weg zu den Europameisterschaften begann für Giesin vor sechs Jahren mit der Teilnahme an Kreiswettbewerben. Es folgten rasch Spitzenergebnisse bei den Landesmeisterschaften und deutschen Titelkämpfen. Beinahe hätte der 18-Jährige auch bei den Weltmeisterschaften teilgenommen. Die Qualifikation hat er nur hauchdünn verpasst.

Nach vier Jahren Spielzeit tritt der Schüler jetzt für etwa ein Jahr etwas kürzer. Eine gute Abiturnote im nächsten Sommer hält er für wichtiger. Was er nach seiner Zivildienstzeit anstrebt, bleibt noch offen.
 

Foto und Text: Dieter Erggelet

 

 

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